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Zopf
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top
Ein Zopf (auch: Flechte) ist ein Haarstrang, der durch Techniken wie Flechten, KnĂŒpfen, Zwirnen, Verzwirbeln, Zopfen oder Zusammenbinden gestaltet wird, und zwar aus GrĂŒnden der ZweckmĂ€Ăigkeit (Arbeit, Sport, Wind), der Schönheit oder beidem. Diesen unterschiedlichen Techniken entsprechend lassen sich als grundlegende Zopfarten Flecht-, KnĂŒpf-, Dreh-, Zwirbel- und offene Zöpfe unterscheiden. Ein Zopf ist eine Frisur oder Teil einer Frisur. Frauen und MĂ€nner tragen Zopffrisuren seit der Steinzeit. HochblĂŒten mit hoher technischer KomplexitĂ€t hat das Haarflechten im Altertum und wĂ€hrend der Renaissance erlebt. Auch in Teilen des subsaharischen Afrika bestehen groĂe Traditionen der Flechtkunst. WĂ€hrend Zopffrisuren in vielen anderen Teilen der Welt traditionell auch von MĂ€nnern getragen werden, waren sie in Europa ab dem Mittelalter meist eine weibliche Angelegenheit. Im 18. Jahrhundert waren PerĂŒcke und Zopf in Europa allerdings die mĂ€nnliche Haartracht schlechthin. Die technischen Möglichkeiten, einen Zopf zu gestalten, sind Ă€uĂerst vielfĂ€ltig. Oft â zum Beispiel bei den nigerianischen Yoruba â wurde und wird diese Kunst von Generation zu Generation ĂŒberliefert. Im 21. Jahrhundert konnte ein Interesse an Zopffrisuren und an Frisiertechniken zum ersten Mal auch dadurch belebt werden, dass im Internet einschlĂ€gige Lehrfilme weite Verbreitung gefunden haben.
Contents
âą Kulturgeschichte
⹠Offene Zöpfe
⹠Gebundene Zöpfe
⹠Gedrehte Zöpfe
âą Hilfsmittel
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Etymologie und Abgrenzung des Begriffs
Das Wort âZopfâ leitet sich von althochdeutsch zopf ab und bedeutete ursprĂŒnglich âEndeâ, âZipfelâ, âHaarschopfâ und âHaarbĂŒschelâ. Erst im Mittelalter nahm das Wort die Bedeutung der Haarflechte an. Die heutigen Wörter zupfen und Zipfel sind mit Zopf eng verwandt. Das althochdeutsche Wort geht auf das urgermanische *tuppa zurĂŒck, das auch dem englischen top (âOberseiteâ) und dem niederdeutschen Topp (oberes Ende eines Mastes) entspricht.
In einem engeren Sinne wird unter einem Zopf oft nur ein Flechtzopf verstanden, insbesondere ein hÀngender Flechtzopf oder ein Flechtzopf wÀhrend der Bearbeitung.cite-ref-grimm-1-0[1] Sobald ein Zopf festgesteckt oder anderweitig verarbeitet ist, spricht man eher von einem Haarkranz, einem Haarknoten oder einer Hochsteckfrisur als von einer Zopffrisur. Auch Ringellocken, wie z. B. die SchlÀfenlocken orthodoxer Juden, werden auf keinen Fall als Zöpfe bezeichnet, obwohl es sich dabei ebenfalls um ornamentale HaarstrÀnge handelt.
Kulturgeschichte
Afrika und Vorderasien
Zöpfe zĂ€hlen zu den Ă€ltesten Frisiertechniken der Welt. Frauen und MĂ€nner tragen Zopffrisuren seit der Steinzeit (siehe linearbandkeramische Haartrachtencite-ref-2[2]). Beim Tassili n'Ajjer in der algerischen Sahara entdeckte der französische Ethnologe Henri Lhote 1956 eine Felsenmalerei, die aus der Zeit um 3500 v. Chr. stammt und eine stillende Mutter darstellt, die eine Anzahl eingeflochtener Zöpfe trĂ€gt.cite-ref-3[3] Ebenfalls in Afrika sind noch heute die Yoruba beheimatet, deren Flechtkunst zu den anspruchsvollsten Frisiertechniken zĂ€hlt, die je entwickelt worden sind. Die Frisuren der Frauen erreichen extreme KomplexitĂ€t und erfordern stundenlanges Flechten.cite-ref-4[4] Die Yoruba verwenden Flecht-, KnĂŒpf- und Bindetechniken; sie selbst unterscheiden Irun Kiko (Strecken des von Natur aus krausen Haares durch Einflechten steifer FĂ€den),cite-ref-5[5] Irun Didi (straffes Flechten zu filigranen Frisuren) und Irun Biba (loses Flechten).cite-ref-6[6] Die Art der Frisur gibt vielfĂ€ltige AuskĂŒnfte ĂŒber die TrĂ€gerin, nicht nur ĂŒber ihr Alter, sondern etwa auch ĂŒber ihren Beruf, ihren Sozial- und Familienstatus, ihren Glauben und oft sogar ĂŒber ihre Stimmung.cite-ref-7[7]
Flechtfrisuren sind auch in anderen afrikanischen Kulturen weit verbreitet. Bei den Akan zum Beispiel tragen MĂ€dchen ihr Haar traditionell offen, beginnen es aber zu flechten â und zwar öffentlich â, wenn sie anzeigen wollen, dass sie heranreifen.cite-ref-8[8] Bei den Himba tragen umgekehrt die noch nicht geschlechtsreifen MĂ€dchen lange HaarstrĂ€nge, die sie mit Ocker einreiben. Bei den Massai wiederum trugen traditionell die mĂ€nnlichen Krieger Dreadlocks, die mit Ton rot gefĂ€rbt waren.cite-ref-9[9]
Aus Bilddarstellungen ist bekannt, dass Zöpfe bereits im Altertum getragen wurden. So sind aus altbabylonischer Zeit idealisierte Darstellungen erhalten, die Frauen mit vielen dicken Zöpfen zeigen.cite-ref-10[10] Der syrische Wettergott wurde mit einem Zopf dargestellt, dessen Ende aufgewickelt ist.cite-ref-11[11] Nachgewiesen sind lange geflochtene Zöpfe auch bei den Hochlandbewohnern des Reiches Elam.cite-ref-12[12] In Marlik und in Assyrien trugen vornehme MĂ€nner stattliche geflochtene BĂ€rte.cite-ref-13[13] WĂ€hrend die assyrischen MĂ€nner ganze Reihen von Zöpfen oder Locken trugen und ihr langes Haar nur hinten offen fallen lieĂen, steckten Frauen ihr Haar zu Knoten auf.cite-ref-14[14]
Auf altĂ€gyptischen Darstellungen sieht man Frauen mit Zopffrisuren oder ĂŒppigen geflochtenen PerĂŒcken. Am unteren Ende waren die feinen Zöpfe hĂ€ufig mit Perlen und anderem Schmuck verziert.cite-ref-15[15] Sprachhistoriker vermuten, dass das in Hieroglyphen gelegentlich dargestellte Wort áž„nkt (henket) âHaarzopfâ oder âFlechteâ bedeutet.cite-ref-16[16] Junge Prinzen, spĂ€ter auch Prinzessinnen, hatten den Kopf bis auf einen Teil des seitlichen Haares meist rasiert; diese âJugendlockeâ wurde geflochten und war das zeitgenössische Symbol der Kindheit. Pharaonen trugen als Ausdruck ihrer Göttlichkeit gelegentlich einen (falschen) geflochtenen Königsbart (Zeremonialbart).cite-ref-17[17] Auch im Perserreich wurden BĂ€rte sorgfĂ€ltig verziert und geflochten.cite-ref-18[18]
FrĂŒhe textliche ErwĂ€hnung fanden Zöpfe in der Bibel, deren Entstehungsgeschichte bis ins 10. vorchristliche Jahrhundert zurĂŒckreicht. So liest man im Buch der Richter (16,13f ) die Geschichte des Helden Samson, der seine philistinische Geliebte Delila zu tĂ€uschen versucht, indem er vorgibt, seine StĂ€rke könne dadurch bezwungen werden, dass jemand seine âsieben Haarflechtenâ mit einem Pflock anbindet.cite-ref-19[19] Möglicherweise handelt es sich hier um die Beschreibung der assyrischen Haartracht.cite-ref-20[20] In Jesaja (47,2 ) ĂŒbersetzt Luther einen Ausdruck, der in deutschen Ăbersetzungen sonst als âSchleierâ wiedergegeben wird, als âZopfâ, nĂ€mlich dort, wo der Prophet der allegorischen Tochter Babel droht, sie werde â als Strafe fĂŒr die Verfolgung Judas â ihre (stolzen) Zöpfe entflechten mĂŒssen.cite-ref-21[21] In der talmudischen Zeit war das Zöpfeflechten bei Frauen weit verbreitet; so ist in der Rabbinerliteratur (Numeri Rabbah, ix) die Rede von einer Ehebrecherin, die sich vom Priester die allzu verfĂŒhrerischen Zöpfe entflechten lassen muss.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
EuropÀische Antike
In der minoischen Zeit, der frĂŒhesten europĂ€ischen Hochkultur, waren lange geflochtene Zöpfe das Kennzeichen verheirateter Frauen.cite-ref-hofh-24-0[24] Hoch entwickelt war die Flechtkunst in der klassischen griechischen Zeit, in der die freien Frauen, auĂer wenn sie in Trauer waren, immer langes Haar trugen; dieses wurde aufwendig und auf sehr vielfĂ€ltige Weisen frisiert, oft mit geflochtenen Zöpfen, aber auch mit kunstvollen Haarknoten und Hochsteckfrisuren, die mit BĂ€ndern gehalten oder mit Diademen geschmĂŒckt waren.cite-ref-25[25] Der Ilias ist zu entnehmen, dass auch MĂ€nner ihr Haar flochten; so ist das Haar des trojanischen Helden Euphorbos, der im 17. Gesang von Menelaos erschlagen wird, mit Gold- und SilberfĂ€den durchflochten.
In Rom trugen viele wohlhabende Frauen ihr Haar, um es ĂŒppig aussehen zu lassen, in kĂŒnstlich gelegten Locken. Weithin verbreitet waren Knotenfrisuren wie der Tutulus oder die Nodus-Frisur (siehe auch: Frauen im Alten Rom).cite-ref-hofh-24-1[24] Ebenso trugen Frauen jedoch anspruchsvoll geflochtene Frisuren, besonders in der Zeit von 70 bis 200 n. Chr.cite-ref-26[26] BrĂ€ute und Vestalinnen trugen die Seni-crines-Frisur, bei der sechs unabhĂ€ngig geflochtene Zöpfe zu einem Kranz gewunden wurden.cite-ref-27[27] In der Zeit Hadrians schmĂŒckten auch MĂ€nner sich hĂ€ufig mit einem Nackenzopf.cite-ref-hofh-24-2[24]
Im keltischen Raum trugen beide Geschlechter langes Haar. Bei den Frauen waren Zöpfe weit verbreitet und die Flechttechniken vielfĂ€ltig.cite-ref-28[28] In seiner Schrift Germania (frĂŒhestens 98 n. Chr.) berichtete Tacitus, dass bei dem germanischen Stamm der Sueben, die westlich der Elbe lebten, die freien MĂ€nner einen geflochtenen Haarknoten (Suebenknoten) trugen.cite-ref-29[29] Bei den Galliern dagegen trugen die MĂ€nner ihr Haar offen,cite-ref-30[30] obwohl Albert Uderzo sich von 1959 an die Freiheit genommen hat, viele der gallischen Figuren der Asterix-Comics mit Zöpfen darzustellen.
Mittelalter und Renaissance
Im Neuen Testament hatte Petrus die Frauen gemahnt, sich nicht eitel mit Haarflechten zu schmĂŒcken.cite-ref-33[33] Maria Magdalena wird in der neuzeitlichen Malerei hĂ€ufig mit Haar dargestellt, das offen in Wellen herabhĂ€ngt, die fĂŒr frisch aufgeflochtenes Haar typisch sind.cite-ref-34[34] Von ihrem âaufgeflochtenem Haarâ sprach explizit Hartley Coleridge in seinem Sonett Multum Dilexit.cite-ref-35[35]
Im christlichen Mittelalter verschwand das weibliche Haar dem Petruswort entsprechend meist unter Gebende, Schappel und Schleier.cite-ref-36[36] Mittelalterliche Bilddarstellungen weiblicher Haartrachten sind selten. Nur junge MĂ€dchen trugen ihr Haar offen. Wenn erwachsene Frauen mit unbedecktem Haar dargestellt wurden, so im FrĂŒhmittelalter meist mit hĂ€ngenden, sehr langen Zöpfen, die oft mit BĂ€ndern vollstĂ€ndig umwickelt sind. Vom Hochmittelalter an wurden die Zöpfe hochgesteckt.cite-ref-37[37] Auch MĂ€nner flochten ihr Haar gelegentlich, so etwa der österreichische Herzog Albrecht III., der den HĂ€ngezopf als Sinnbild des von ihm gegrĂŒndeten Zopfordens trug.
In der Renaissance erschienen bei den Frauen wieder sehr kunstvolle, aufwendige Frisuren, die oft durch exotische und schwere Hauben ergÀnzt wurden. Geflochtenes Haar wurde weiterhin hochgesteckt.cite-ref-38[38]
Europa: 16. bis 18. Jahrhundert
In der Zeit des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges trugen manche vornehmen MĂ€nner einen hinter dem Ohr geflochtenen dĂŒnnen Zopf, der auf die Brust hinabhing und an dessen Ende ein Schmuckobjekt aufgehĂ€ngt war. Der dĂ€nische König Christian IV. (1577â1648) etwa lieĂ sich so portrĂ€tieren.cite-ref-39[39]
In Frankreich wurden die groĂen mĂ€nnlichen AllongeperĂŒcken seit 1715 von BeutelperĂŒcken (perruque Ă crapaud) abgelöst, bei denen das lange Haar des TrĂ€gers hinten in einem Taftbeutel (bourse) eingeschlossen war. In PreuĂen fĂŒhrte der âSoldatenkönigâ Friedrich Wilhelm I. 1713/14 bei seinem MilitĂ€r eine leichte PerĂŒcke ein, bei der das eigene lange Haar der Soldaten nicht in einem Sack steckte, sondern mit einem schwarzen Taftband umwickelt wurde. Die Neuerung sollte verhindern, dass lose fliegendes langes Haar bei der Handhabung der Luntengewehre Feuer fing. Die TrĂ€ger waren stolz auf ihren Zopf, besonders, wenn er dick und lang war.cite-ref-40[40] Ein Jahrhundert spĂ€ter hat Karl Gutzkow sich in seinem populĂ€ren Lustspiel Zopf und Schwert (1844) ĂŒber die Zopfpassion Friedrich Wilhelms lustig gemacht. Die ZopfperĂŒcke der Soldaten wurde jedoch bald von den Offizieren ĂŒbernommen und setzte sich schlieĂlich auch in der zivilen Mode durch. Seit den 1760er Jahren war sie ĂŒberall in Europa weithin verbreitet.cite-ref-tiedemann-41-0[41] Literarische BerĂŒhmtheit hat der mĂ€nnliche Zopf dieser Zeit auch durch den legendĂ€ren Baron MĂŒnchhausen erlangt, der sich mitsamt seinem Pferd am eigenen Zopf aus einem Sumpf herausgezogen haben will. Der mĂ€nnliche Zopf war so sehr ein Symbol der Zeit, dass die Architektur der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts noch heute gelegentlich als âZopfstilâ bezeichnet wird.
Französische Soldaten trugen zur selben Zeit gelegentlich eine Cadenette, das ist eine Frisur, die aus zwei hinter den Ohren geflochtenen Zöpfen und einem Pferdeschwanz besteht, der von zwei weiteren Flechtzöpfen flankiert wird.cite-ref-42[42] Unter Napoleon, der seit 1800 selbst kurzes Haar trug, setzten sich im französischen MilitĂ€r bald jedoch Kurzhaarschnitte durch. Die anderen europĂ€ischen Armeen folgten diesem Vorbild.cite-ref-43[43] Auch der preuĂische Soldatenzopf wurde, weil er sich als militĂ€risch unzweckmĂ€Ăig erwies, mit der PreuĂischen Heeresreform um 1807 wieder abgeschafft.cite-ref-44[44] Darauf spielt der im Deutschen sprichwörtlich gewordene âalte Zopfâ an, der umgangssprachlich GebrĂ€uche bezeichnet, die nicht mehr den Vorstellungen von ModernitĂ€t entsprechen. Bis weit ins 19. Jahrhundert erhalten geblieben ist die Frisur in der preuĂischen Marine, wo die Matrosen ihre Zöpfe sehr fest flochten und mit Aalhaut ĂŒberzogen oder mit geteerter Schnur umwickelten. Aus TĂŒchern, die sie â um eine Beschmutzung durch den Teerzopf zu vermeiden â ĂŒber die Jacke legten, entwickelte sich der traditionelle Matrosenkragen.cite-ref-tiedemann-41-1[41] In der Zivilgesellschaft verschwanden Zopf und PerĂŒcke im spĂ€ten 18. Jahrhundert.cite-ref-45[45] Als die letzte namhafte Persönlichkeit, die sich mit beidem portrĂ€tieren lieĂ, gilt der junge russische Zarewitsch Konstantin (1779â1831); das Bild entstand um 1795. Johann Wolfgang von Goethe z. B. hatte sein Haar bereits seit 1792 offen getragen.cite-ref-46[46]
Europa: 19. Jahrhundert bis Gegenwart
Von den komplizierten Flechtfrisuren der Renaissance abgesehen, waren Zöpfe, die offen herabfielen oder als Schmuck um den Kopf gelegt wurden, seit dem Mittelalter eher die Haartracht von BĂ€uerinnen, MĂ€gden und unverheirateten MĂ€dchen als von erwachsenen Frauen höherer StĂ€nde.cite-ref-47[47] Zu den wenigen namhaften Frauen, die sich in der Neuzeit mit geflochtenem Haar haben portrĂ€tieren lassen, zĂ€hlt die österreichische Kaiserin Elisabeth (1837â1898).
Trotz der Vorliebe des Nationalsozialismus fĂŒr den bĂ€uerlichen Typ und trotz Slogans wie âArisch ist der Zopf â jĂŒdisch ist der Bubikopfâcite-ref-48[48] erschienen in der Modefotografie der Zeit nach 1933 nur vereinzelt bezopfte Frauen.cite-ref-49[49]
Als MĂ€dchenfrisur kamen Flechtzöpfe erst zu Beginn der 1970er Jahre aus der Mode. Vergleichsweise stark verbreitet waren Flechtfrisuren bei MĂ€dchen und Frauen seitdem noch zur Tracht. Im frĂŒhen 21. Jahrhundert waren Zöpfe als Haartracht prominenter Frauen so selten geworden, dass Julija Tymoschenko, die 2005 erstmals MinisterprĂ€sidentin der Ukraine wurde, mit ihrer Kranzfrisur viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Bei Schulkindern, besonders bei Jungen, war bereits im spĂ€ten 20. Jahrhundert als Alternative zur FuĂballermatte vorĂŒbergehend der âRattenschwanzâ in Mode, ein dĂŒnner, meist geflochtener Zopf, der zu ansonsten kurzem Haar getragen wurde.cite-ref-50[50] Piktogramme, die Frauen oder MĂ€dchen darstellen sollen, etwa an Verkehrsampeln, auf Verkehrsschildern oder an ToilettentĂŒren, haben oft Zöpfe als weibliches Merkmal.
Im englischsprachigen Raum hat eine FĂŒlle von privat produzierten Videotutorials auf YouTube seit 2005 zu einer starken Verbreitung von traditionellen und neuen Zopffrisuren gefĂŒhrt.cite-ref-51[51] In GroĂbritannien und den USA lancierten Trendsetter wie Kate Moss, Sienna Miller, Nicole Richie, Mary-Kate und Ashley Olsen den âBoho Chicâ (siehe Titelbild), bei dem Zopffrisuren â insbesondere Haarbandzöpfe und andere mit fallendem Haar kombinierte Flechtzöpfe â ein wichtiges Stilelement bilden.cite-ref-52[52] Auch Heidi Klum, Drew Barrymore, Diane Kruger, Jessica Alba, Rachel Bilson, Kate Bosworth und Amber Heard traten durch auffĂ€llige Flechtfrisuren in Erscheinung. Um 2009 kamen Zopffrisuren auch im deutschsprachigen Raum wieder in Mode.cite-ref-53[53] In den frĂŒhen 2010er Jahren erlangten Zöpfe weitere internationale Aufmerksamkeit durch populĂ€re Fantasyfilme und -serien wie The Hunger Games (2012) und Game of Thrones (seit 2011) sowie durch die von Sam McKnightcite-ref-54[54] gestalteten Flechtfrisuren, die im Dezember 2012 auf der Herbstshow des Haute-Couture-Unternehmens Chanel prĂ€sentiert wurden.cite-ref-55[55]
Asien und Amerika
In Indien tragen viele Hindu-Asketen Dreadlocks, so genannte Jatas.cite-ref-56[56] Junge MĂ€dchen und Frauen tragen in Indien hĂ€ufig einen langen geflochtenen Nackenzopf.cite-ref-57[57] In den Upanishaden wird geflochtenes Haar als einer der Hauptreize der weiblichen VerfĂŒhrung erwĂ€hnt.cite-ref-58[58] Eine groĂe Flechttradition bestand in der Mongolei, wo traditionell der Glaube bestand, dass die menschliche Seele ihren Sitz im Haar habe. Aufgeflochten wurde das Haar nur, wenn der Tod sich nĂ€herte.cite-ref-59[59] In Japan trugen die Samurai einen hochgebundenen Pferdeschwanz (Chonmage), eine Frisur, die heute noch bei Sumoringern ĂŒblich ist. Japanische Frauen trugen bis ins spĂ€te 20. Jahrhundert vielerlei Arten von Zöpfen (äžă€ç·šăż mitsuami); da die Schulordnungen andere Frisuren verboten, blieben insbesondere fĂŒr MĂ€dchen neben dem Bobhaarschnitt nur Zopffrisuren.cite-ref-60[60] In China trugen MĂ€dchen traditionell einen gerade geschnittenen Pony und ebenfalls Zöpfe (èŸźć biĂ nzi).cite-ref-61[61] Bei den Mandschu flochten sich von Alters her die MĂ€nner das Haar. Nachdem sie 1644 Peking erobert und die Qing-Dynastie errichtet hatten, zwangen sie die MĂ€nner der unterworfenen Han-Chinesen, zum Ausdruck ihrer LoyalitĂ€t ebenfalls diese Frisur zu tragen, bei der die Stirn und die Seiten rasiert und hinten ein Zopf stehengelassen wurde (ćé«źææ tĂŹfĂ yĂŹfĂș). Die Han empfanden dies als DemĂŒtigung, weil sie sich mit RĂŒcksicht auf die konfuzianischen GebrĂ€uche traditionell nie das Haar geschnitten hatten.cite-ref-62[62] Der letzte Kaiser, Puyi, schnitt seinen Zopf 1912 ab (womit diese mĂ€nnliche Haartracht in China auĂer Mode kam), im selben Jahr, in dem China Republik wurde.cite-ref-63[63]
Weit verbreitet waren Zopffrisuren bei vielen nordamerikanischen Ureinwohnern, wobei sich die Traditionen von Volk zu Volk stark unterschieden. Bei den Quapaw etwa schmĂŒckten junge MĂ€dchen sich mit Spiralzöpfen, wĂ€hrend die verheirateten Frauen ihr Haar offen trugen.cite-ref-64[64] Bei den Lenape trugen die Frauen ihr Haar sehr lang und flochten es hĂ€ufig in Zöpfe.cite-ref-65[65] Bei den Blackfeet trugen die MĂ€nner Zöpfe, meistens links und rechts hinter dem Ohr.cite-ref-66[66] Die MĂ€nner der Kiowa banden hĂ€ufig FellstĂŒcke um ihre Zöpfe. Bei den Maya trugen die Frauen kunstvolle Frisuren aus zwei Zöpfen, die MĂ€nner dagegen einen groĂen Zopf, der um den ganzen Kopf herumgelegt war.cite-ref-67[67]
Offene Zöpfe
WĂ€hrend im eigentlichen Sinne nur ein Haargeflechtstrang als âZopfâ zu bezeichnen ist, wird der Ausdruck umgangssprachlich oft auch auf HaarstrĂ€nge angewendet, die nur durch ein Band, eine Spange oder Ăhnliches zusammengehalten werden.
pferdeschwanzPferdeschwanz
Ein am Hinterkopf getragener langer einzelner offener Zopf. PopularitĂ€t erlangte diese Haartracht unter anderem von Frankreich ausgehend durch Pablo Picasso, der in den 1950er Jahren zahlreiche PortrĂ€ts von Sylvette David schuf, auf denen sie immer wieder mit Pferdeschwanz dargestellt ist. Dem mĂ€nnlichen Pferdeschwanz verschafft seit 1976 der Designer Karl Lagerfeld öffentliche Aufmerksamkeit.cite-ref-68[68] Ihren historischen VorlĂ€ufer hat diese Haartracht in den mĂ€nnlichen PerĂŒckenfrisuren des 18. Jahrhunderts.
Ein halber Pferdeschwanz ist ein offener Zopf, der nur aus dem Deckhaar gebunden ist; Haar, das an der unteren HÀlfte des Kopfes wurzelt, fÀllt lose herab. Als weibliche Frisur war der halbe Pferdeschwanz bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert weit verbreitet. HÀufig ist er etwa in der Malerei von Pierre-Auguste Renoir zu sehen.
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Auch RattenschwĂ€nzchen; englisch stattdessen pigtails oder piggytails (âSchweineschwĂ€nzeâ). Zwei hinter den Ohren getragene offene Zöpfe. In Japan tragen junge Frauen, angeregt durch Manga-Figuren wie Sailor Moon, RattenschwĂ€nze gelegentlich in Kombination mit zwei Odango-Haarknoten.cite-ref-69[69]
Gebundene Zöpfe
Zöpfe können auch dadurch zusammengehalten werden, dass sie mehrfach gebunden oder ĂŒber eine gröĂere Strecke hinweg mit BĂ€ndern oder anderen Materialien eingewickelt werden.
In der einfachsten Form wird ein Pferdeschwanz mit mehreren zusĂ€tzlichen Haargummis in gleichmĂ€Ăigen AbstĂ€nden gebunden.cite-ref-71[71] Insbesondere dicke HaarstrĂ€nge erhalten durch mehrfaches Binden freilich eine Steifheit, die bei hĂ€ngenden Zöpfen meist nicht erwĂŒnscht ist. Eine schmiegsamere Variante ist der Twist around braid, der wie ein Haargummizopf gebunden wird, dessen einzelne Segmente jedoch ĂŒber das jeweils darĂŒber liegende Segment hindurchgefĂ€delt werden.cite-ref-72[72]
Geflochtene Zöpfe
Grundtechniken des Haarflechtens
Durch das Nachwachsen ausgefallener Haare enthĂ€lt jeder Haarstrang lĂ€ngere und kĂŒrzere Haare, wobei die letzteren beim Flechten leicht aus den Gliedern herausfallen. Um den Zusammenhalt der StrĂ€nge zu erhöhen, wird insbesondere bei anspruchsvolleren Flechttechniken vielfach Frisiercreme oder Haargel verwendet; einfache Alternativen sind das Anfeuchten des Haares oder das Flechten von ungewaschenem Haar, weil auch das natĂŒrliche Hautfett fĂŒr KohĂ€sion sorgt. Da lockiges Haar leichter zu flechten ist als glattes, wird das Haar manchmal mit dem Lockenstab vorbehandelt. Manche TrĂ€gerinnen von Flechtfrisuren klippen sich Tressen ins Haar, damit lĂ€ngere Zöpfe geflochten werden können und die Frisur ĂŒppiger aussieht.cite-ref-73[73]
Das Erscheinungsbild eines Flechtzopfes hĂ€ngt unter anderem davon ab, ob er stramm oder lose geflochten ist. Ebenso wie PferdeschwĂ€nze sollten Zöpfe jedoch nicht stĂ€ndig allzu stramm geflochten werden, weil dies langfristig lokalen Haarausfall (âTraktionsalopezieâ) begĂŒnstigen kann. Der verbreitete Glaube, dass Zopffrisuren das Haarwachstum beschleunigen, muss vor diesem Hintergrund als urbaner Mythos eingestuft werden.cite-ref-74[74]
Das Aussehen eines Zopfes kann auch auf andere Weise modifiziert werden, z. B. durch ungleich starken Zug auf den verschiedenen StrĂ€ngen, durch eine Kombination von dicken und dĂŒnnen StrĂ€ngen, durch das Einflechten von BĂ€ndern oder durch das Flechten von Flechtzöpfen.cite-ref-75[75]
Drei- und mehrstrÀngige Techniken
Beim Flechten von dreistrĂ€ngigen Zöpfen gibt es zwei eng verwandte Grundtechniken. Die erste, weit verbreitete, wird hĂ€ufig als âenglischeâ Technik bezeichnet und ergibt auf der Vorderseite ein V-förmiges Muster. Die zweite Technik wird auch als âhollĂ€ndischer Zopfâ bezeichnet und ergibt ein A-förmiges Muster. Bei einfachen Zopffrisuren, etwa bei HĂ€ngezöpfen, spielt es keine groĂe Rolle, welche Technik gewĂ€hlt wird. Zum Tragen kommt die Unterscheidung erst bei kunstvolleren Zopffrisuren. Zöpfe, die nach der âhollĂ€ndischenâ Technik direkt am Kopf entlang geflochten sind, erscheinen etwas erhabener. âFranzösischeâ oder âenglischeâ Zöpfe liegen hingegen enger am Kopf an. Der Unterschied zwischen einem âenglischenâ und einem âfranzösischenâ Zopf liegt ausschlieĂlich im Anfangspunkt des Zopfes: Der englische Zopf beginnt im Nacken und der gesamte Flechtteil schwingt frei, wĂ€hrend der französische â ein eingeflochtener Zopf â durch regelmĂ€Ăiges Aufnehmen von Kopfhaar bereits am Oberkopf beginnt und nur am unteren Ende frei schwingt.
ZweistrÀngige Technik
fischgr-c3-a4tzopffischgr-tzopfFischgrĂ€tzopf (Ăhrenzopf)
Bei dieser zweistrĂ€ngigen Technik bleiben die beiden HauptstrĂ€nge nebeneinander liegen und werden selbst nicht verflochten, sondern dienen lediglich als Materialressourcen fĂŒr dĂŒnne, abwechselnd nach links und rechts gelegte StrĂ€nge, die vom Ă€uĂeren Rand des einen Hauptstranges entnommen und zum inneren Rand des anderen Hauptstranges gefĂŒhrt werden.cite-ref-80[80] Eine Variante ist der invertierte FischgrĂ€tzopf, bei dem die StrĂ€hnchen nicht auf der Vorder-, sondern auf der RĂŒckseite der HauptstrĂ€nge gekreuzt werden; vorn erscheint infolgedessen kein V-, sondern ein A-Muster.cite-ref-81[81] Eine weitere, anspruchsvollere Variante ist der vierseitige FischgrĂ€tzopf, der entsteht, wenn abwechselnd zwei SchlĂ€ge des normalen und zwei SchlĂ€ge des invertierten FischgrĂ€tzopfes geflochten werden.cite-ref-82[82]
HÀngende Flechtzöpfe
nackenzopfNackenzopf
Auch: englischer Zopf, HĂ€ngezopf. Ein in V-Technik geflochtener Zopf, der vom Nacken herabhĂ€ngt. Eine Variante ist der Seitenzopf, der hinter dem OhrlĂ€ppchen beginnend geflochten wird und als Blickfang ĂŒber die Schulter nach vorn herabhĂ€ngt.
h-c3-a4ngez-c3-b6pfeh-ngez-pfeHÀngezöpfe
Wenn zwei HĂ€ngezöpfe getragen werden, so werden diese bei sĂ€uberlich gescheiteltem Haar meist hinter den OhrlĂ€ppchen beginnend geflochten. Filmvorbildern entsprechend werden solche Zöpfe gelegentlich als âHeidi-Zöpfeâ bezeichnet, obwohl die Romanvorlage Johanna Spyris âkurzes, krauses Haarâ hatte. Eine ebenfalls fiktive TrĂ€gerin von Zöpfen war das MĂ€dchen Rapunzel aus den grimmschen Kinder- und HausmĂ€rchen. Als Symbol frechen Selbstbewusstseins unsterblich gemacht haben Astrid Lindgren und ihre Illustratorin Ingrid Vang Nyman ihre nach oben gebogenen Zöpfe in ihrem 1945 veröffentlichten Kinderbuch Pippi Langstrumpf. In den USA hat Judy Garland die Zopffrisur mit ihrer Rolle als Dorothy in dem Film Der Zauberer von Oz (1939) prominent vertreten, und spĂ€ter Lisa Loring, die in der Fernsehserie The Addams Family (1964/65) das Töchterlein Wednesday Addams spielte, wie auch Laura Ingalls in der Fernsehserie Unsere kleine Farm. Der Wechsel von Doppelzöpfen zum Nackenzopf markiert in vielen Kulturen traditionell den Ăbergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter.cite-ref-83[83]
pixie-braidsPixie braids
Auch das gesamte Haupthaar kann in kleine Zöpfe geflochten werden. Im Deutschen werden solche Zöpfe hĂ€ufig unscharf als Braids (englisch fĂŒr âZöpfeâ) bezeichnet. Im englischen Sprachraum, woher auch der speziellere Ausdruck âPixie braidsâ stammt, wird die Frisur vor allem von afroamerikanischen Frauen und MĂ€dchen getragen.cite-ref-84[84] Ein bekannter mĂ€nnlicher TrĂ€ger ist der britische SĂ€nger Boy George. Wenn die HaarstrĂ€nge so aufgenommen werden, dass an der Kopfhaut regelmĂ€Ăige (z. B. kĂ€stchen- oder rautenförmige) Areale entstehen, so werden die Zöpfe dagegen Box braids genannt. Die fertigen Zöpfe werden entweder mit kurzen, möglichst unsichtbaren, GummibĂ€ndern gesichert oder an den Spitzen so erhitzt, dass das Haar zusammenklebt.cite-ref-85[85] Wegen des hohen Zeitaufwandes bei der Frisur bleiben Braids zwei bis vier Wochen im Haar.cite-ref-86[86] Wenn die Zöpfe zum Teil eingeflochten sind, spricht man nicht von Braids, sondern von Cornrows.
Festgesteckte Flechtzöpfe
schlaufenzopfSchlaufenzopf
Auch âAffenschaukelâ genannt: die einfachste Form eines festgesteckten Flechtzopfs. Bei dieser Frisur, die fast ausschlieĂlich von MĂ€dchen und meist paarweise getragen wird, wird der Zopf nach innen zur Schlinge hochgelegt und die Quaste hinter dem Zopfansatz verborgen und festgesteckt.
kranzzopfKranzzopf
Ein Zopf, der als HĂ€ngezopf geflochten und anschlieĂend kranzartig um den Kopf herum gelegt und festgesteckt wird, wobei die Quaste gut verborgen wird.
Ein traditionelles Beispiel ist der Gretchenzopf, dessen Material zwei stramm geflochtene HĂ€ngezöpfe sind, deren Ausgangspunkte hinter den Ohren liegen. Die fertigen Zöpfe werden gegenlĂ€ufig um den Vorderkopf herumgefĂŒhrt und hinter dem jeweils anderen Ohr festgesteckt. FĂŒr einen klassischen Gretchenzopf wird sehr langes Haar benötigt, das etwa bis zum Nabel reicht.cite-ref-87[87] Der Name dieser Doppelkranzfrisur geht auf die Abend-Szene in Goethes Faust-Drama zurĂŒck, in der Margarete auftritt, âihre Zöpfe flechtend und aufbindendâ. Im Englischen heiĂt dieselbe Frisur Heidi braid.
Aus mindestens hĂŒftlangem Haar lĂ€sst sich eine Bauernkrone flechten, das ist ein einzelner Flechtzopf, der um den gesamten Kopf herumgelegt wird.
Wenn der Kranz nicht nah am Haaransatz, sondern weiter am Oberkopf festgesteckt wird, spricht man im Deutschen von einer Zopfkrone oder Gretchenkrone. Wenn das Haar dafĂŒr nicht lang genug ist, kann diese Frisur auch eingeflochten werden.cite-ref-88[88]
Viele moderne Kranzfrisuren werden nicht aus ein oder zwei, sondern aus deutlich mehr Flechtzöpfen zusammengesetzt.cite-ref-89[89]
geflochtener-haarknotenGeflochtener Haarknoten
Ein Flechtzopf kann zu einem Haarknoten aufgewickelt und festgesteckt werden, wobei ein Haarnetz oder andere Hilfsmittel fĂŒr stabileren Halt sorgen können. Erwachsene Frauen tragen die Frisur meist am Hinterkopf, wĂ€hrend MĂ€dchen oft Haarschnecken tragen.
schneckenfrisurenSchneckenfrisuren
Das ist eine Variante des Haarknotens, bei dem der Zopf möglichst flach aufgewickelt wird, sodass die Spiralstruktur gut erkennbar bleibt.cite-ref-90[90] Einige Haarschnecken â etwa die Frisur, die Carrie Fisher als Prinzessin Leia in dem Film Krieg der Sterne (1977) trug â sind allerdings gar nicht aus Zöpfen gewunden, sondern reine Haarknoten ohne jede Flechttechnik.
Eingeflochtene Zöpfe
Bei der Anfertigung eingeflochtener Zöpfe werden dem entstehenden Zopf laufend neue HaarstrĂ€nge zugefĂŒhrt. Wenn diese Techniken nahe an der Kopfhaut entlanggefĂŒhrt werden, liegt der Zopf ohne weitere Hilfsmittel fest am Kopf an. GegenĂŒber einfach geflochtenen Zöpfen bieten diese Techniken daneben den Vorteil, dass selbst relativ kurzes Haar in den Zopf aufgenommen werden kann.
Neben der klassischen französischen bzw. hollĂ€ndischen Technik, bei der dem entstehenden Zopf neue StrĂ€hnen zugefĂŒhrt werden, gibt es Flechttechniken, bei denen aus einem entstehenden Zopf umgekehrt StrĂ€hnen abgezweigt werden. Diese zunĂ€chst lose herausfallenden StrĂ€hnen â im Englischen spricht man von feathers (âFedernâ) â können anschlieĂend weiter verflochten oder fĂŒr beliebige andere Zwecke verwendet werden.cite-ref-91[91]
Die meisten der folgenden Techniken erfordern eine anspruchsvolle FingerfĂŒhrung, jedoch keine weiteren Hilfsmittel und können von GeĂŒbten grundsĂ€tzlich auch am eigenen Haar ausgefĂŒhrt werden.
DreistrÀngige Techniken
franz-c3-b6sische-technikfranz-sische-technikFranzösische Technik
Der französische Zopf (tresse française) wird wie ein gewöhnlicher Zopf aus drei StrĂ€ngen gearbeitet, mit der Besonderheit jedoch, dass jedem Strang, der von der Seite â also von links oder rechts â kommend eingeflochten wird, eine neue HaarstrĂ€hne beigegeben wird, die bisher nicht Bestandteil der drei HauptstrĂ€nge war. Bei der vollen französischen Technik werden StrĂ€nge von links und von rechts eingeflochten. Der Technik liegt die V-Technik zugrunde. Das Ăberflechten der StrĂ€nge hat zur Folge, dass der entstehende Zopf auf dem angrenzenden Haar nicht aufliegt, sondern etwas darin versinkt.cite-ref-92[92] Auch vier- und mehrstrĂ€ngige Zöpfe können eingeflochten werden; ein symmetrisches Erscheinungsbild wird allerdings nur erreicht, wenn man eine ungerade Anzahl von StrĂ€ngen verwendet.cite-ref-93[93]
holl-c3-a4ndische-technikholl-ndische-technikHollÀndische Technik
Als hollĂ€ndischer Zopf wird das Ăquivalent der französischen Technik bezeichnet, bei der jeder Strang unter dem zu kreuzenden mittleren Haarstrang hinweggefĂŒhrt wird (A-Technik). Durch das Unterflechten der StrĂ€nge ragt der entstehende Zopf deutlich höher als ein französischer Zopf aus dem benachbarten Haar hervor.cite-ref-94[94]
lace-braidhalber-franz-c3-b6sischer-zopf-und-halber-holl-c3-a4ndischer-zopfhalber-franz-sischer-zopf-und-halber-holl-ndischer-zopfHalber französischer Zopf und halber hollÀndischer Zopf
Bei diesen Varianten der oben genannten Techniken, die meist mehr oder weniger horizontal gefĂŒhrt werden, werden neue HaarstrĂ€nge nicht von beiden, sondern nur von einer Seite zugefĂŒhrt. Der Zopf erscheint infolgedessen asymmetrisch. Der halbe französische Zopf wird auch als Lace Braid bezeichnet, insbesondere, wenn er nicht nah an der Kopfhaut ausgefĂŒhrt wird, sondern dem Zopf laufend StrĂ€hnen zugefĂŒhrt werden, die in weiterer Entfernung wurzeln. Auf diese Weise ist es unter anderem möglich, Zöpfe quer ins fallende Haar einzuflechten.cite-ref-95[95]
ZweistrÀngige Techniken
franz-c3-b6sische-kordelfranz-sische-kordelFranzösische Kordel (French Twist)
Eine zweistrĂ€ngige Technik, bei der die beiden StrĂ€nge fortlaufend umeinandergewunden werden. Vor jeder Windung wird jedem Strang jedoch eine neue StrĂ€hne aus dem angrenzenden Haar zugefĂŒhrt. Wenn alles Haar aufgebraucht ist, kann die französische Kordel in einen Kordelzopf ĂŒbergehen.cite-ref-96[96] Eine weit verbreitete Variante ist die halbe französische Kordel (englisch Twist Braid), d. h. eine französische Kordel, der nur von einer Seite (von oben) neue StrĂ€hnen zugefĂŒhrt werden. Die halbe französische Kordel wird oft als Haarbandzopf gefĂŒhrt, d. h., um Pony- und anderes Haar, das sonst ĂŒber Stirn und SchlĂ€fen fallen wĂŒrde, aus dem Gesicht herauszuhalten.cite-ref-97[97] Mit etwas Geschick kann die halbe französische Kordel auch als Drehzopf bzw. Rolle gefĂŒhrt werden, sodass sie nicht wie eine Kordel, sondern nahtlos aussieht.cite-ref-98[98]
eingeflochtener-fischgr-c3-a4tzopfeingeflochtener-fischgr-tzopfEingeflochtener FischgrÀtzopf
Auch der FischgrĂ€tzopf lĂ€sst sich mit StrĂ€hnen flechten, die fortlaufend dem ĂŒbrigen Haar entnommen werden.cite-ref-99[99]
Eingeflochtene Zöpfe mit HÀngezopf oder Haarknoten
klassischer-franz-c3-b6sischer-zopf-bauernzopfklassischer-franz-sischer-zopf-bauernzopfKlassischer französischer Zopf (Bauernzopf)
Ein entweder am Stirnansatz oder am oberen Hinterkopf beginnender, bis in den Nacken gefĂŒhrter französischer Zopf. Der untere Teil, dem keine neuen StrĂ€hnen mehr zugefĂŒhrt werden können, wird wie ein gewöhnlicher HĂ€ngezopf gearbeitet. Popularisiert wurde dieser Zopf unter anderem durch Angelina Jolie, die ihn als Lara Croft in dem Film Tomb Raider (2001) trug. Der französische Zopf kann in nahezu beliebiger FĂŒhrung geflochten und mit einem HĂ€ngezopf, einem verborgenen Zopf oder einem Haarknoten abgeschlossen werden.cite-ref-100[100]
princess-anne-braidPrincess Anne braid
Zwei volle französische Zöpfe, die links und rechts am Kopf von der Stirn bis in den Nacken gefĂŒhrt werden und dort in einen HĂ€ngezopf (V-Technik) zusammengeflochten werden.cite-ref-101[101] Eine Variante, die durch den Film The Hunger Games populĂ€r wurde, besteht darin, dass die geflochtenen Enden nicht hĂ€ngengelassen, sondern zu einem breiten Knoten aufgesteckt werden.cite-ref-102[102]
klassischer-holl-c3-a4ndischer-zopfklassischer-holl-ndischer-zopfKlassischer hollÀndischer Zopf
Das Ăquivalent des klassischen französischen Zopfes, jedoch in hollĂ€ndischer Technik geflochten. Auch der hollĂ€ndische Zopf kann in zahllosen Formen gefĂŒhrt werden. Bei Teenagern in den USA ist seit 2012 â angeregt durch die von Jennifer Lawrence dargestellte Hauptfigur des Films The Hunger Games â der Katniss braid populĂ€r, ein von links oben bis rechts unten diagonal um den Kopf gefĂŒhrter hollĂ€ndischer Zopf.cite-ref-103[103] Eine weitere Variante ist der Dutch flower braid: ein voller hollĂ€ndischer Zopf, der â an der Stirn beginnend â in einem S-förmigen Bogen bis zum Hinterkopf gefĂŒhrt wird, wo er in einen Zopf ĂŒbergeht, der zu einer Schnecke aufgewickelt und festgesteckt wird.cite-ref-104[104]
cornrowsCornrows
In der hollĂ€ndischen Technik kann auch das gesamte Kopfhaar in viele kleine Zöpfchen geflochten werden. Diese Frisur, die auch Track braids genannt wird, entstand in Afrika und in der Karibik.cite-ref-105[105] In der afroamerikanischen Community fanden Cornrows seit den frĂŒhen 1970er Jahren Verbreitung; zu den Trendsettern hatte Cicely Tyson gehört, die in der Ăffentlichkeit damals wiederholt mit delikaten nigerianischen Flechttechniken auftrat.cite-ref-106[106] Auch MĂ€nner trugen die Frisur, darunter beispielsweise Stevie Wonder. Zur Popularisierung von Cornrows bei nicht-afrikanischstĂ€mmigen TrĂ€gerinnen trug u. a. die Schauspielerin Bo Derek bei, die mit dieser Frisur 1979 in dem Film Zehn â Die Traumfrau zu sehen war.cite-ref-107[107] Seither sind auch andere weiĂe Prominente beiderlei Geschlechts mit Cornrows in Erscheinung getreten.cite-ref-108[108] Cornrows können in nahezu beliebiger FĂŒhrung und sogar ĂŒber Kreuz geflochten werden.cite-ref-109[109] Wegen des hohen Zeitaufwands beim Flechten werden sie etwa zwei Wochen lang getragen.
Kopfnahe FĂŒhrung mit verborgenem Zopfende
haarbandzopfHaarbandzopf
Auch Side crown braid, Side french braid: Ein meist in französischer Technik geflochtener Zopf, der an der Stirn entlang oder quer ĂŒber den Vorderkopf gefĂŒhrt wird, um dort einen Akzent zu setzen und um zu verhindern, dass Haar ins Gesicht fĂ€llt. In den USA wurde diese Frisur in jĂŒngerer Zeit von Lauren Conrad popularisiert.cite-ref-110[110]
wasserfallzopfWasserfallzopf
Eine Variante des französischen Zopfes, die kranzförmig von SchlĂ€fe zu SchlĂ€fe um den Hinterkopf herumgeflochten wird. Ăhnlich wie beim französischen Zopf werden von beiden Seiten (wegen der horizontalen FĂŒhrung: von oben und von unten) laufend neue StrĂ€nge hinzugefĂŒhrt. Jedoch wird fĂŒr jeden Strang, der von unten aufgenommen wird, ein anderer fallengelassen. Ein Teil des Haares fĂ€llt dadurch â durch den Zopfkranz in gleichmĂ€Ăige BĂŒndel gelegt â offen herab.cite-ref-111[111] Bei Bedarf können auch beidseitig Federn abgezweigt werden.cite-ref-112[112] Eine einfachere Variante ist der Waterfall Twist, bei dem zwei HaarstrĂ€nge laufend umeinandergewunden werden, wobei durch jede Windung eine dem ĂŒbrigen, fallenden Haar entnommene StrĂ€hne gefĂŒhrt wird.cite-ref-113[113]
Haarkranz, Krönchenfrisur
Dies ist ein hollĂ€ndischer Zopf, der bei ungescheiteltem Haar wie ein Kranz um den gesamten Kopf herumgeflochten wird.cite-ref-114[114] Im Englischen wird die Frisur Dutch Crown Braid, Milkmaid Braid (âMilchmĂ€dchenzopfâ) oder Halo Braid (âHeiligenschein-Zopfâ) genannt. Eine Variante ist der Spiral Braid, der vom oberen Hinterkopf ausgehend spiralförmig etwa dreimal um den ganzen Kopf herumgeflochten wird.cite-ref-115[115]
FĂŒhrung an einem anderen Zopf
beflochtener-pferdeschwanzBeflochtener Pferdeschwanz
PferdeschwÀnze können auf vielfÀltige Weise mit halben oder ganzen französischen oder hollÀndischen Zöpfen beflochten werden.cite-ref-117[117]
zweilagiger-zopf-stacked-braidZweilagiger Zopf (Stacked Braid)
FĂŒr den mehrlagigen Zopf â das ist ein fallender Flechtzopf, dem ein zweiter Zopf aufgeflochten wird â braucht man sehr krĂ€ftiges Haar. Um auf einen HĂ€ngezopf einen französischen Zopf aufzuflechten, wird der Basiszopf in V-Technik geflochten, an jedem Glied jedoch eine StrĂ€hne (âFederâ) entnommen. Im zweiten Schritt wird aus den Federn ein (schmalerer) hollĂ€ndischer Zopf geflochten, der direkt auf dem breiteren ersten Zopf aufliegt.cite-ref-118[118] Möglich ist es auch, auf den Basiszopf eine französische Kordel oder einen FischgrĂ€tzopf aufzuflechten.cite-ref-119[119]
verbundene-z-c3-b6pfeverbundene-z-pfeVerbundene Zöpfe
Zwei parallel gefĂŒhrte HĂ€ngezöpfe können miteinander verbunden werden, indem die Glieder des zweiten Zopfes direkt mit denen des ersten verschlungen werden.cite-ref-120[120] Eine zweite mögliche Technik besteht darin, aus dem ersten Zopf âFedernâ abzuzweigen, die in den zweiten eingeflochten werden.cite-ref-121[121] Weitaus einfacher ist es, Flechtzöpfe mit Haarnadeln aneinanderzustecken.cite-ref-122[122]
FĂŒhrung im fallenden Haar
lace-braided-bangsLace braided bangs
Bei dieser modernen Technik wird ein halber französischer Zopf in einiger Entfernung von der Kopfhaut so ins fallende Haar geflochten, dass der Zopf den unteren Abschluss des fallenden Haares bildet.cite-ref-123[123] Lace Braids können auch fĂŒr Hochsteckfrisuren verwendet werden.cite-ref-124[124]
Verwandte Techniken
Eine dem Flechten nah verwandte Technik ist das Haarweben. Dabei entstehen nicht Zöpfe, sondern flĂ€chen- oder reliefhafte Strukturen.cite-ref-126[126] Vom vier- und mehrstrĂ€ngigen Flechten, das nur mit den HĂ€nden durchgefĂŒhrt wird, unterscheidet das Haarweben sich durch den Gebrauch eines speziellen Werkzeugs.
Modifikationen am Flechtzopf
Das Erscheinungsbild eines Zopfes kann nach dem Flechten weiter modifiziert werden. Weit verbreitet ist z. B. ein nachtrÀgliches Lockern oder Zerzausen. Hier einige weitere Techniken:
pancake-braidPancake braid
Ein frei geflochtener oder eingeflochtener Zopf, dessen Glieder nachtrĂ€glich gelockert und flachgedrĂŒckt werden. Der Zopf erscheint dadurch breiter und flĂ€chenhafter. Voraussetzung ist, dass der Zopf von vornherein locker geflochten ist.cite-ref-127[127]
gestauchte-z-c3-b6pfegestauchte-z-pfeGestauchte Zöpfe
Ein Snake braid oder Snake in the tree braid entsteht, wenn in einem gewöhnlichen dreistrÀngigen HÀngezopf ein Strang stramm vom Kopf weggezogen wird, wÀhrend die beiden anderen StrÀnge zum Kopf hin gestaucht werden. Die Technik eignet sich bei kleineren Zöpfen, die in der Frisur einen Akzent bilden sollen.cite-ref-128[128] Dieselbe Modifikation ist auch mit einem vierstrÀngigen Zopf möglich.cite-ref-129[129]
bow-braidBow braid
Ein stramm geflochtener voller oder halber französischer Zopf, in den mit einer Haarnadel nachtrÀglich StrÀhnen aus dem benachbarten Haar schlaufenförmig so hindurchgezogen werden, dass der Eindruck von Schleifen entsteht.cite-ref-130[130]
ben-c3-a4hte-z-c3-b6pfeben-hte-z-pfeBenÀhte Zöpfe
Besonders bei der Rekonstruktion mittelalterlicher Flechtfrisuren werden mit einer groben Stick- oder Stopfnadel oft Schleifen, SchnĂŒre und Ă€hnliches in die Zopffrisur eingefĂ€delt.cite-ref-131[131]
GeknĂŒpfte Zöpfe
Gelegentlich werden in der Frisierkunst KnĂŒpftechniken verwendet. Mit dem Knoten von HaarstrĂ€hnen können ornamentale Elemente geschaffen werden;cite-ref-132[132] hĂ€ufig werden damit PferdeschwĂ€nze geschmĂŒckt.cite-ref-133[133] Ebenso können Strukturen geknĂŒpft werden, die geflochtenen oder eingeflochtenen Zöpfen nachempfunden sind.cite-ref-134[134] Selbst HĂ€kelschlingen können verwendet werden; sie werden mit bloĂen Fingern geknĂŒpft.cite-ref-135[135]
Gedrehte Zöpfe
Da gezwirnte HaarstrĂ€hnen dazu neigen, in ihren Ursprungszustand zurĂŒckzukehren, mĂŒssen sie entweder paarig gefĂŒhrt oder festgesteckt werden.cite-ref-137[137]
kordelzopfKordelzopf
Dieser Zopf, der engl. Rope braid genannt wird, besteht aus zwei HaarstrĂ€ngen, die, wĂ€hrend sie umeinander gewunden werden, in gleiche Richtungen aufgedreht (gezwirnt) werden. Diese Technik ist relativ einfach auszufĂŒhren, jedoch weniger stabil als ein geflochtener Zopf.cite-ref-138[138] AfrikanischstĂ€mmige Frauen verwenden diese Technik, um das gesamte Kopfhaar in viele feine Zöpfe aufzudrehen (Micro Twists, Senegalese Twists). Ebenso eignet sie sich jedoch fĂŒr komplexere Frisuren.cite-ref-139[139]
alternativer-zweistr-c3-a4ngiger-zopfalternativer-zweistr-ngiger-zopfAlternativer zweistrÀngiger Zopf
Bei dieser wenig bekannten Technik, die einen Zopf mit gewollt unregelmĂ€Ăigem, geflochtenem Aussehen ergibt, werden zwei StrĂ€nge einige Zentimeter weit gegenlĂ€ufig gezwirnt und schlieĂlich zusammengelegt. Der vereinigte Strang wird so geteilt, dass zwei neue StrĂ€nge entstehen; diese werden wiederum gezwirnt usw.cite-ref-140[140]
falscher-fischgr-c3-a4tzopffalscher-fischgr-tzopfFalscher FischgrÀtzopf
Dieser aus zwei gegenlÀufig verzwirnten StrÀngen bestehende Zopf Àhnelt einem FischgrÀtzopf, ist aber viel einfacher anzufertigen. Die beiden StrÀnge werden mit Haarnadeln zusammengehalten.cite-ref-141[141]
Modifikationen am Zopfansatz
flipFlip
HĂ€ngende Zöpfe, wie PferdeschwĂ€nze oder Nackenzöpfe, können âgeflipptâ werden. Bei dieser Technik wird der mit einem Gummi locker zusammengebundene Zopf durch den hinter dem Gummi liegenden Zopfansatz gezogen.cite-ref-142[142] Auch komplexere Frisuren mit mehrfachen Flips sind möglich.cite-ref-143[143]
umwickelter-pferdeschwanzUmwickelter Pferdeschwanz
Wenn das Haargummi verborgen werden soll, kann der Zopfansatz mit einer dĂŒnnen HaarstrĂ€hne umwickelt werden. Befestigt wird diese entweder mit einer verborgenen Haarnadel, oder sie wird mit einem Werkzeug durch das Gummi hindurch in den Pferdeschwanz gezogen.cite-ref-144[144] Der Pferdeschwanzansatz kann auch mit einem Flechtzopf umwickelt werden.cite-ref-145[145]
FĂŒr die Gestaltung eines Zopfansatzes bestehen daneben auch weitaus komplexere Möglichkeiten.cite-ref-146[146]
Gezwirbelte Zöpfe
Dreadlocks (auch kurz Dreads oder Filzlocken) werden durch die Verzwirbelung und anschlieĂende Verfilzung der Haare zusammengehalten. Das Wort drĂŒckt im Englischen ursprĂŒnglich Abscheu aus (dread = Furcht, Grausen) â ein Verfilzen des Haares war als Folge nachlĂ€ssiger Haarpflege bekannt. Noch im 19. Jahrhundert nahmen Ărzte an, das Verfilzen des Kopfhaares (âWeichselzopfâ) sei ein schwerwiegendes gesundheitliches Problem.cite-ref-147[147] Im 20. Jahrhundert erfuhr das Wort Dreadlocks einen Konnotationswandel und wird seitdem rein deskriptiv verwendet.cite-ref-148[148] Dreadlocks sind in vielen Kulturen verbreitet; innerhalb des deutschen Sprachraums ist diese Haartracht vor allem durch die jamaikanischen Rastafaris gelĂ€ufig.
Hilfsmittel
Zu den Hilfsmitteln, die bei der Anfertigung von Zöpfen verwendet werden, zĂ€hlen Kamm und HaarbĂŒrste, mit denen das gesamte Kopfhaar von Knoten befreit und geglĂ€ttet wird. Besonders bei Kindern empfiehlt sich die Verwendung einer groĂen (Spezial-)BĂŒrste mit möglichst vielen elastischen Borsten. Die Spitze eines Stielkammes kann verwendet werden, um StrĂ€nge, die geflochten werden sollen, sauber vom ĂŒbrigen Haar zu scheiteln. Mit Haarclips wird Haar, mit dem gerade nicht gearbeitet wird, aus dem Arbeitsfeld herausgehalten.
Haargummis halten an Pferde- und RattenschwĂ€nzen den Zopfansatz. An geflochtenen, geknoteten und gedrehten Zöpfen halten sie das gearbeitete Werk zusammen. Umwobene Haargummis sind reiĂfester als nicht ummantelte und können, weil sie sich nicht am Haar festbeiĂen, spĂ€ter leichter entfernt werden. Ein weiteres Kriterium fĂŒr die Wahl der Gummiart ist das gewĂŒnschte Aussehen. Zum Binden von Zöpfen werden auch vielfĂ€ltige dekorative Elemente wie z. B. Zopfspangen eingesetzt.
Mit Haarklammern und Haarnadeln werden HaarkrĂ€nze, Knoten, Schnecken und Ăhnliches festgesteckt und zusammengehalten. Haarklammern werden aber auch verwendet, um widerspenstige StrĂ€hnen in einen Zopf zurĂŒckzustecken. Das FĂ€delwerkzeugcite-ref-149[149] kann vielfĂ€ltig eingesetzt werden; unter anderem erleichtert es die Anfertigung eines Flips. Ebenso kann es jedoch zum Haarweben oder zum Verbergen von StrĂ€hnen verwendet werden, die beim Flechten vielleicht vergessen worden sind.
Der Zopf in Erotik und Psychoanalyse
Manche Fetischisten empfinden Zöpfe als starkes erotisches Stimulans. Am hÀufigsten wird in diesem Zusammenhang der straff und möglichst von der Stirn bis in den Nacken geflochtene französische Zopf genannt.cite-ref-150[150]
Bereits im Ă€lteren psychiatrischen Schrifttum ist vereinzelt von Fetischisten die Rede, die, um in den Besitz des begehrten Objekts zu gelangen, weibliche Zöpfe abschnitten. So schildert etwa der Schweizer Psychiater Auguste Forel den Fall eines Berliner Zopfabschneiders aus dem Jahre 1906, bei dem 31 Zöpfe gefunden wurden.cite-ref-151[151] Um ein tieferes VerstĂ€ndnis des Haarfetischismus hatte Richard von Krafft-Ebing sich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert bemĂŒht.cite-ref-152[152]
In der psychoanalytischen Literaturinterpretation dagegen beschÀftigen Autoren sich mit Zopfabschneidern bis heute. EinschlÀgiges Interesse hat z. B. eine Episode in Ernest Hemingways Roman Wem die Stunde schlÀgt erregt.cite-ref-153[153] Sigmund Freud hatte in Totem und Tabu (1913) das Haarabschneiden als symbolische Kastration gedeutet.cite-ref-154[154] Einige Autoren sind ihm spÀter darin gefolgt und haben im Zopf einen Penisersatz gesehen.cite-ref-155[155] Andere wiederum interpretierten Zöpfe als Symbol der JungfrÀulichkeit und das Entflechten bzw. Abschneiden des Zopfes als Symbol der Defloration.cite-ref-156[156]
Siehe auch
Literatur
Deutsch
âą Andrea Jeffery: Tolle Zöpfe. Styling-Ideen fĂŒr alle AnlĂ€sse von sportlich bis elegant; mit ausfĂŒhrlichen Flechtanleitungen. Bertelsmann-Club, Rheda-WiedenbrĂŒck 1997, DNB 951088114.
Englisch
âą Diane Carol Bailey, Diane Da Costa: Milady Standard Hair Care & Braiding. Milady, 2013, ISBN 978-1-133-69368-0 (Techniken fĂŒr afrikanisches Haar).
âą Diane Carol Bailey, Jamie Rines Jones: Braiding. Easy Styles for Everyone. Cengage Learning, 2001, ISBN 0-7668-3764-5.
âą Thomas Hardy: Great Braids! The New Way to Exciting Hairstyles. Sterling, 1997, ISBN 0-8069-8617-4.
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Weblinks
Wiktionary: Zopf
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Zöpfe
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Zopf
â Zitate
âą Kupferzopf, Glamour deutschsprachige Bild- und Videoanleitungen
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Einzelnachweise
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